Knödel & Kofola

Von Hot Dog bis Koláče: Ein tschechischer Fast-Food-Guide

Döner und Bockwurst auf tschechisch: Das Beste an heimischen Snacks von unseren Nachbarn!

Heiko Kunzmann
25. Sep. 2026
6 min Lesezeit
Zwei belegte Weißbrotscheiben auf einem Teller.
Chlebíčky, tschechische Kanapees: Die beste Erfindung seit dem Rad und der Dampflok!

Mal was anderes als Knedlicky: Leckeres auf die Hand, auf die Schnelle! Mit Rezepten, falls du nicht bis zum nächsten Tschechien-Ausflug warten kannst. Und nein, Trdelník ist nicht dabei - denn das ist nur Touristenfutter.

Párek v rohlíku (Hot Dog)

Die kennst du garantiert, denn auf fast jedem Bahnhof gibt es sie! Die tschechische Variante des Hot Dog wird mit Ketchup oder - eher seltener - Senf als Topping kredenzt und einfach in ein Hörnchen (Rohlík) gesteckt. Sehr praktisch, denn so kann nix kleckern. Meine Lieblingssorte: "Pikantni", mit schärferem Ketchup, vom Stand im Hauptbahnhof Děčín.

Wir älteren Ossi-Kinder erkennen in den tschechischen Hot Dogs den DDR-Hot Dog wieder, der beispielsweise in den 1980ern an einem Kiosk auf der Straße der Befreiung in Dresden für lange Schlangen sorgte. Dieses schnelle Essen ist ein Westimport: Ein Fleischer aus České Budějovice soll die Idee in den 1970ern aus Madrid mitgebracht haben. Er nannte seine Adaption Picador - und unter dem Namen ist der Hot Dog in Südböhmen auch weiter bekannt.

Wenn du Hörnchen oder ein Baguette hast, kannst du tschechische Hot Dogs auch spielend leicht zu Hause zubereiten. Einfach Spitze abschneiden, etwas aushöhlen (mit dem Griff eines Holzlöffels) - und fertig is! Oder du probierst eine andere Variante, bei der die Würstchen direkt eingebacken werden!

Smažený sýr (frittierter Käse)

Wenn die panierte Käsehülle leicht knuspert und es dazu die dünnen tschechischen Pommes gibt: Dann sind viele Wanderfreunde glücklich! Der frittierte Käse (Smazák) ist eins der beliebtesten Gerichte überall dort, wo bei Ausflügen der Hunger gestillt werden kann. Klassischerweise ein Edamer, der in Ei, Mehl und Paniermehl gewendet und goldbraun ausgebacken wird. Weit leichter im Magen liegend als gebackener Camembert - und es läuft auch nix raus, sobald die Panierhülle angepiekt wird.

Tschechischer frittierter Käse mit Pommes Frites auf einem Teller.
Schau mal, der Käse bleibt drin! Der frittierte Edamer ist ein Klassiker in vielen Wirtshäusern.

Das Geheimnis liegt in der richtigen Käsesorte. Neben Edamer eignen sich auch andere Sorten. Der tschechische Fernsehkoch Jirka Babica zeigt dir im Video unten auch, wie du eine leckere Remoulade zaubern kannst (im Player Untertitel aktivieren, dann über das Zahnrad auf deutsch umstellen).

Bramboráky (Kartoffelpuffer)

Auch die haben ordentlich Gewürze in sich: Knoblauch, Majoran und Salz! Dazu kommen in der einfachsten Variante nur noch Kartoffeln (am besten festkochend), Mehl, Eier und Milch. Alles wird goldgelb angebraten (hier ein Rezept).

Im Gegensatz zu uns Deutschen, die wir Kartoffelpuffer ja gern mit Apfelmus oder Marmelade essen, kommen die tschechischen Puffer nur mit herzhafter Beilage auf den Tisch, mit Sauerrahm oder Salat beispielsweise.

Manchmal gibt es in Restaurants als Beilage zu Fleischgerichten auch Bramboráčky - also kleine Puffer. Die messen um die sieben bis acht Zentimeter im Durchmesser, aber sind quasi identisch mit ihren großen Brüdern.

Klobása (Grillwurst)

Jetzt wird's deftig und herzhaft! Die Klobása ist meist geräuchert, gut gewürzt, besteht aus Schweine- und manchmal auch Rindfleisch und ist etwas fettiger als andere Wurtsorten. Die Österreicher werden Ähnlichkeiten mit der Burenwurst erkennen. Die Klobása wird meist leicht eingeritzt, dann gegrillt oder in der Pfanne zubereitet.

Eine böhmische Brühwurst mit Meerrettich und Senf auf einem Teller.
Senf, Meerrettich, Klobása und ein Bier dazu: Ein typisch tschechisches Kneipenquartett.

Spätestens beim ersten Biss merkst du: Da steckt gut was an Paprika, Pfeffer, Kümmel oder auch Knoblauch drin! Ein einzigartiger Geschmack - und so 'ne Wurst macht auch ziemlich satt. Dazu gibt's Senf (Hořčice), Meerrettich (Křen), leckeres Kümmelbrot oder Essiggurken.

Die Klobása ist vor allem in der kälteren Jahreszeit populär: Du wirst sie auf vielen Weihnachtsmärkten finden. Und in vielen Kneipen mit traditioneller Küche. Probiere sie mal mit dunkler Biersoße - besonders lecker zubereitet in einem der ältesten Lokale Prags, im "Deminka"!

Chlebíčky (tschechische Kanapees)

Ein echter tschechischer Klassiker, der dieses Jahr ein rundes Jubiläum feiert! 1916 hat der Gastronom Jan Paukert in seinem Prager Delikatessenladen am Národní třída erstmals Chlebíčky angeboten. Auslöser soll der Maler Jan Skramlík gewesen sein: Der dekorierte eine Bar und hatte wohl mächtigen Hunger, die sonst eher kleinen Kanapees reichten ihm nicht. Auch Promis kamen bald auf den Geschmack: Präsident Tomáš Garrigue Masaryk, Operndiva Ema Destinnová oder Komiker Vlasta Burian gingen bei Paukerts aus und ein.

Die Chlebíčky damals waren Dekadenz für den Gaumen: Mit Roastbeef, Trüffeln, Hummer, Sardinen oder Schinken drauf! Der Sozialismus machte dann später auch vor belegten Brotscheiben nicht halt: Zutaten wurden vereinfacht, es kam drauf, was vorhanden war. Heute nehmen auf dem Klassiker Platz: Kartoffelsalat, Schinken, Ei und Essiggurke! Chlebíčky gibt's inzwischen mit unterschiedlichsten Zutaten: Auf der Website vom Feinkostladen "Chlebíčky Letná" in Prag findest du 20 Variationen.

Und so ein sorgsam zubereitetes Chlebíček (Chlebíček: Einzahl, Chlebíčky: Mehrzahl) ist zuerst mal schon ein Augenschmaus! Was wurde draufgepackt, was hat man miteinander kombiniert? Der zweite Aha-Moment dann beim Reinbeißen: Wie ergänzen sich die Zutaten geschmacklich? Und zum dritten Mal staunst du, wenn du ein Chlebíček verdrückt hast. Wenn die Dinger auch gar nicht groß sind, aber satt machen sie!

Wie alle Dinge auf der Welt entwickeln sich auch die Chlebíčky weiter. Im "Chlebíček Store" (Adresse: Prag, nám. Dr. Václava Holého 1331/3) gibt's inzwischen vegane Varianten mit Kichererbsen, Sellerie und Algen, und bei den "Bistro Sisters" (Adresse: Prag, Dlouhá 39) kommen Rote-Bete-Creme, Ziegenkäse und karamelisierte Nüsse aufs Brot.

Falls du jetzt beim Lesen genauso sehr Appetit auf so ein tschechisches Kanapee gekriegt hast wie ich beim Schreiben: Hier findest du fünf Rezepte. Außerdem findest du im Kasten unter dem Artikel eine wachsende Liste von Läden, Cafés und Verkaufsstellen, in denen es Chlebíčky gibt!

Nakládaný Hermelín (eingelegter Hermelinkäse)

Auch das ist ein häufig zu findender Snack für erschöpfte Wandersleut'. Der in Öl eingelegte typisch tschechische Weißschimmelkäse - es geht auch mal Camembert - erinnert ein wenig an "Handkäs' mit Musik" aus Rheinhessen. Meine Erfahrung: Schon eine kleine Portion macht lange satt! Das Anrichten mit Ölmarinade ist aber nicht jedermanns Sache - auch der zuweilen hohe Knoblauch-Anteil.

Der Käse wird mit Knoblauch, Paprika, Pfefferkörnern und anderen Gewürzen für vier Tage eingelegt. Es gibt viele Varianten - Rezepte findest du hier sowie hier.

Utopenci (eingelegte Würstchen)

Das nächste Mahl aus der Rubrik Kneipensnack und Biergarten-Imbiss - im Ausland weniger bekannt als der frittierte Käse oder die Kartoffelpuffer. Utopenci, wörtlich "Ertrunkene", sind Speckwürstchen, die in einem Essig-Sud mit Zwiebeln und Gewürzen gut eine Woche heranreifen.

Wurstgrundlage sind die sogenannten Špekáčky: Eine traditionelle böhmische Spezialität aus Rindfleisch, Schweinefleisch und Speckwürfeln, deren Zusammensetzung festgeschrieben ist. Sie kommen ins Einweckglas. Dazu dann der Essig-Sud, der mit Lorbeerblättern, Pfeffer und anderen Zutaten aufgekocht wird. Wenn keine original tschechischen Speckwürstchen vorhanden sind, geht's auch mit Cervelatwurst.

Ein Rezept für diesen herzhaften Bierbegleiter findest du hier. Falls du dir die Ertrunkenen mal mitbringen willst: Auf Regionalmärkten wirst du bestimmt fündig. So gibt's auf dem Prager Bauernmarkt samstags am Moldau-Ufer (Adresse: Náplavka, Rašínovo nábřeží) Utopenci an mindestens einem Stand.

Koláče (Kolatschen)

Zum Schluss mal was Süßes, das du bestimmt auch schonmal gesehen und probiert hast. Koláče, das sind die runden Hefeteilchen, meist in der Mitte gefüllt entweder mit Quark, Mohn, Nüssen, Pflaumen oder Aprikosen. Sie haben einen weichen Teigboden, sind manchmal mit Puderzucker bestreut und werden gern zum Kaffee oder bei Festen gegessen.

Böhmische Kolatschen mit Mohn gefüllt.
Koláče mit Mohn, hmmm ... (Quelle: Wikipedia.org unter CC BY-SA 3.0; Fotograf: Chmee2)

Kolatschen gibt's in Mittel- und ganz Osteuropa: In Polen musst du sie unbedingt auch probieren, denn da tragen die Kołaczyk oft einen dicken Klecks Frischkäse, Pflaumen oder Apfel in der Mitte. Und auch in den USA, dort wo tschechische Einwanderer gelandet sind, schwärmen alle von Kolatschen!

Ursprünglich war es mal ein Brot, das Brautpaaren bei der Hochzeit überreicht wurde. Heute dürfen auch Singles es sich schmecken lassen. Zwei Rezepte dafür findest du hier und hier. Na dann: Dobrou chuť, guten Appetit!

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